Projektmanagement in Animes, Teil I: Erfolgreiche Projekte

Veröffentlicht von Daria - 16. August 2022

Manchmal hat man Glück im Leben, und deine Arbeitskollegen sind genauso nerdy wie du selbst. Sie reden bei der Kaffeepause gerne über die neue Staffel Attack on Titan oder diskutieren darüber, ob es in unserer Welt möglich wäre, ein VRMMORPG wie bei Sword Art Online zu produzieren. Bei den Media Favoriten habe ich genau solche

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 Herzlich willkommen zu meiner nerdigen Artikelreihe „Projektmanagement in Animes“! In dieser Reihe stelle ich euch mehrere Anime-Ereignisse vor, die man als Projekte bezeichnen kann. Diese werden analysiert und entweder als „erfolgreiches Projekt“ oder als „gescheitertes Projekt“ abgestempelt. Mit diesen Beispielen kann man leicht die gängigsten Methoden lernen, die dein Projekt zum Erfolg führen werden. Projektmanagement für absolute Anime-Nerds – let’s goooo!

Was ist ein Projekt?

Beginnen möchte ich mit der Definition des Begriffes „Projekt“. Nicht jedes Geschehnis ist nämlich ein Projekt. Das Project Management Institute (PMI) liefert folgende Definition: “A project is a temporary endeavor undertaken to create a unique product, service, or result.” Daraus folgt, dass ein Projekt zeitlich begrenzt ist und eine konkrete Zielvorgabe aufweist. Es handelt sich dabei nicht um eine bloße Aufgabe aus dem Alltag, sondern um ein einmaliges Vorhaben, mit dem man etwas einzigartiges erreichen will. Ein Projekt ist also ein komplexer Prozess und keine langweilige Routine. Für diesen Prozess hat man nicht nur begrenzte Zeit, also einen Start- und einen Endtermin, sondern auch begrenzte Ressourcen.

Erfolgreiche Projekte in Animes

Mit der obigen Definition können wir uns nun dem Projektmanagement in Animes widmen. In diesem Teil der Artikelreihe geht es um erfolgreiche Projekte. ACHTUNG, SPOILER! Wenn ihr den jeweiligen Anime nicht gesehen habt, dann passt auf die Spoiler-Warnungen auf.

Assasination Classroom: Die Tötung mit den agilen Methoden

In dem Anime „Assasination Classroom“ dreht sich die Handlung um Schüler der Klasse 3-E einer japanischen Mittelschule, die einen ziemlich ungewöhnlichen Lehrer haben. Koro-Sensei (das Wort „Sensei“ steht im Japanischen für „Lehrer“) ist blitzschnell, übertrieben stark und kann sich abgetrennte Glieder wieder wachsen lassen. Von diesen hat er viele, denn er ist kein menschliches Wesen: Sein Aussehen ähnelt sich dem eines Oktopus, bloß in Gelb. Das Ziel seiner Schüler ist es, ihn bis zum Ende des Schuljahres zu töten, da er durch seine Kräfte eine Gefahr für die Menschheit darstellt. Um dieses Ziel zu erreichen, trainieren die Schüler jeden Tag und probieren neue Methoden der Tötung aus, von Vergiftung bis Sprengung. Als bekanntgegeben wurde, dass sie zusammen mit ihrem Lehrer zum Sommercamp fahren, haben sie beschlossen, dort ein Attentat auf Koro-Sensei zu verüben. Auch wenn das Ziel des Attentats – die Tötung von Koro Sensei – nicht erreicht wurde, kann man dieses Projekt nicht als gescheitert bezeichnen. Nicht immer muss man in einem Projekt gleich einhundert Prozent erreichen, um einen Erfolg davonzutragen. Manchmal kann auch ein kleiner Erfolg viel bewirken. Koro-Sensei wurde gezwungen, seinen größten Trumpf preiszugeben, nämlich seine Verteidigungsform, die er nur in seltenen Fällen annehmen kann, und wurde von seinen Schülern in die Enge getrieben. In diesem Fall spricht man von einem Teilerfolg, der als ein fruchtbarer Boden für weitere, größere Erfolge fungieren kann.

Die Iterationszyklen als Entwicklungsphasen des Projekts

Koro-Senseis Schüler handeln während des ganzen Animes nach den Prinzipien des klassischen agilen Projektmanagements. Sie haben das Endziel klar im Blick und versuchen immer wieder, Teilerfolge zu erzielen, die sie dem Ziel näherbringen. Denn das Grundprinzip aller agiler Ansätze ist das Arbeiten in kurzen Iterationszyklen, bei denen jeweils ein vorläufiges Ergebnis präsentiert wird und dieser entsprechende Teilabnahmen erteilt oder Änderungsanträge stellt.

Die Interationen in einem Projekt

Beim SCRUM-Framework werden die Iterationszyklen als Sprints bezeichnet. Die typische Dauer eines Sprints beträgt zwei Wochen. Innerhalb dieser zwei Wochen arbeitet man auf ein Teilziel hinaus: Wenn man dieses Ziel erreicht, hat man einen Teilerfolg. Aus den Teilerfolgen ergibt sich am Ende das Gesamterfolg. So konnten die 3-E-Schuler (Achtung, GROßER SPOILER!) am Ende der Geschichte ihren Lehrer töten.

The Promised Neverland: Die Flucht vor Monstern und das magische Dreieck

Bei „The Promised Neverland“ – einem düsteren Anime über die Zukunft, in der menschenfressende Monster die Welt beherrschen – stehen die Kinder Emma, Ray und Norman im Mittelpunkt. Nachdem die Kinder herausgefunden haben, dass sie als Delikatesse an die Monster verkauft werden sollen, beschließen sie, aus dem Waisenhaus, in dem sie aufgezogen wurden, zu fliehen. Neben ihnen wohnen dort noch weitere Waisenkinder im Alter zwischen 6 Monaten und 12 Jahren. Emma will, dass sie gemeinsam flüchten, und entwickelt zusammen mit Norman und Ray einen Fluchtplan. Dabei handelt es sich um ein Projekt, bei dem es sowohl an Kompetenz als auch an Ressourcen mangelt. Wie können kleine Kinder sowohl die mächtigen Monster als auch erwachsene Menschen an ihrer Seite überlisten? Und trotzdem war das Projekt ein Erfolg – aber wie? Die Antwort lautet: Durch gute Kommunikation, eine lange und sorgfältige Vorbereitung und Ressourcenplanung, regelmäßiges Training sowie Entschlossenheit des Teams.

Das magische Dreieck des Projektmanagements

Dem Projektteam war von Anfang an klar, dass die Fluchtvorbereitung sehr viel Zeit in Anspruch nehmen wird, und setzten sich keine unrealistischen Ziele („Komm, wir fliehen morgen!“) Anstatt sofort loszurennen, haben sie sich monatelang akribisch darauf vorbereitet, was ihnen am Ende einen vollen Erfolg brachte. Das ist ein gutes Beispiel des Handelns nach dem sogenannten „magischen Dreieck des Projektmanagements“: Einer Methode, die dabei hilft, ein Projekt erfolgreich planen und durchführen zu können. Das magische Dreieck umfasst im klassischen Projektmanagement drei Zieldimensionen, die in direkter Verbindung zueinanderstehen:

Das magische Dreieck und seine Dimensionen: Ressourcen, Kosten und Zeit

  • Zeit: Wie viel Zeit steht zur Umsetzung des Projekts zur Verfügung? Wann startet und endet das Projekt? Welche Termine müssen wann geplant werden?
  • Kosten/Ressourcen: Wie viel kostet das Projekt? Welche materiellen sowie immateriellen Ressourcen werden für den Projekt benötigt?
  • Leistung/Qualität: Welche Aufgaben müssen im Laufe des Projekts erledigt werden? Was ist das Wunschergebnis?

Wenn alle drei Zieldimensionen klar definiert sind und sich in perfekte Balance gebracht sind, dann gelingt das Projekt: Das haben die Kinder aus „The Promised Neverland“ gut durchdacht. Was würde passieren, wenn Spannungen zwischen den einzelnen Dimensionen entstehen? Dieses Schaubild zeigt die möglichen Entwicklungen:

Das Dysbalance der Dimensionen kann zum Scheitern des Projekts führen

Lust auf mehr nerdiges Lernen?

Wenn ihr mehr über die Methoden des Projektmanagements am Beispiel der Animes lernen wollt, dann seid gespannt: Ich bin noch nicht fertig! Im Teil II der Artikelreihe „Projektmanagement in Animes“ werdet ihr weitere coole Methoden und weitere interessante Animes kennenlernen!

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