Richtig Recherchieren: Wie funktioniert eine Recherche im Internet?

Veröffentlicht von Daria - 20. April 2022

Richtig recherchieren kann jeder, stimmt's? Recherchen müssen nur Praktikanten machen, damit sie früh genug verstehen, dass die Arbeit nicht immer spannend sein kann? Das halte ich für ein Gerücht!

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Konfuzius, der wohl berühmteste chinesische Philosoph aller Zeiten, sagte einst:

«Das Problem bei den Zitaten aus dem Internet besteht darin, dass jeder an ihre Authentizität glaubt».

Na, reingefallen? Damit solche Informationen in deinen Berichten nicht auftauchen, zeige ich dir, wie eine gute Recherche funktioniert!

In den unendlichen Weiten des Internets finden sich unzählige Zitate und Fakten, die falsch sind, sich aber gerne als wahr verkaufen. Das beste Beispiel ist das folgende Zitat: «Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen!» Jetzt mal ehrlich: Wem von euch schlich beim Lesen des Zitats das Bild einer jungen Französin ins Kopf? Der durch seine Frechheit markante Satz, das der französischen Königin Marie Antoinette zugeschrieben wird, ist von ihr aber niemals gesagt worden.

Wer ein Referat über chinesische Philosophie vorbereitet, wird sich mit dem obigen «Zitat» von Konfuzius ziemlich blamieren. Wer in einem Medien-Unternehmen arbeitet und für seine Arbeit im Internet recherchieren muss, wird mit falschen Daten ebenso nicht glücklich. Ob für die Projektplanung, einen Artikel für den Blog oder einfach zum Zweck der Weiterbildung: Die Informationen müssen stimmen. Die Online-Recherche, die so einfach zu sein scheint, stellt manchen erfahrenen Kollegen doch vor großen Herausforderungen. Wie recherchiert man richtig? Welchen Internetquellen kann ich vertrauen? Wo finde ich die aktuellsten oder umgekehrt: die alten Grafiken und Statistiken, die ich für meine Analyse benötige? Aufgepasst! Mit diesen Tricks verbesserst du deine Skills im Recherchieren und verbannst diese Fragen aus deinem Arbeitsalltag!

Am Anfang schuf Gott eine Fragestellung

Eine gute Recherche beginnt mit einer konkreten Fragestellung. Auch wenn wir, faule Säcke, nur stichpunktartig googeln, muss die Fragestellung in einem Satz ausformuliert werden. Sie ist dafür da, das zu behandelnde Thema einzugrenzen. Eine präzise formulierte Fragestellung dient dem Zweck, den Aufwand beim Recherchieren zu verkürzen und die kostbare Arbeitszeit zu sparen.

❌ Recherche auf Stichpunkten aufbauen

✔ eine präzise Fragestellung formulieren

Der Dreischritt

Bei der Entwicklung einer eigenen Fragestellung kann die Dreischritt-Technik helfen. Diese Technik kann auch für die Formulierung der Ziele deiner Projekte eingesetzt werden.

Schritt 1: Thema benennen: Ich recherchiere über…

Schritt 2: Fragestellung einarbeiten: …, weil ich herausfinden will,…

Schritt 3: Untersuchungsziel definieren: …, um festzustellen, dass…

Formulierst du Schritt 2 in eine Frage um, erhältst du die gesuchte Fragestellung.

Formulierst zu Schritt 3 zu einer Aussage mit dem Satzbeginn „Ziel dieser Recherche ist es,…“, können sich daraus sogar einige Teilziele deines Projekts ergeben!

Erweiterte Suchfunktionen für Noobs

Du brauchst PDFs, weißt aber nicht, wie man sie findet? Die Suche nach einer Phrase ergibt seit zwei Stunden einfach keine Ergebnisse? Dann versuch mal, mit diesen Tricks deine Suche zu optimieren, um deine Recherche effizienter zu gestalten!

  1. Du kannst gleichzeitig nach mehreren Begriffen suchen, wenn du sie durch UND oder ODER trennst. Beispiel: Burger UND Pommes.
  2. Du kannst Suchbegriffe mit einem Minus ausschließen. Das ist besonders wichtig, wenn es um den Kontext geht. Wer nach den Werken des griechischen Dichters Homer sucht, möchte beim Recherchieren ungerne mit Homer Simpson konfrontiert werden. Die Lösung ist einfach: Homer -Simpson. Das Gegenteil dazu ist das Plus-Zeichen: Mit diesem zeigst du, dass du einen bestimmten Begriff in den Ergebnissen der Suche haben musst. Achtung: Vor dem Minus- bzw. dem Pluszeichen muss ein Leerzeichen gesetzt werden.
  3. Wenn du doch nach Homer Simpson suchst, kannst du seinen Namen in die Einführungszeichen setzten („Homer Simpson“). Diese sind explizit dafür da, nach Eigennamen zu suchen. Zudem können sie benutzt werden, um nach konkreten Phrasen zu suchen.
  4. Für die Suche innerhalb einer bestimmten Webseite kannst du den Doppelpunkt und den Operator site nutzen: So würdest du mit dem Suchbefehl Odyssee site:blog.internet-halunken.de unseren Blog nach dem Begriff „Odyssee“ durchsuchen.
  5. Wenn du nach einer Phrase suchst, die dir nicht komplett bekannt ist, kannst du für die unbekannten Wörter das Sternchen-Symbol nutzen. Beispiel: Sprich Deutsch du *
  6. Die PDFs (sowie andere Datenformate) findest du ganz einfach mit dem Operator filetype, der die Suche auf einen bestimmten Datentyp begrenzen lässt. Zwischen dem filetype-Operator und dem Suchbegriff muss kein Leerzeichen gesetzt werden. Beispiel: filetype:pdf grillrezepte

To Wiki or not to Wiki?

Wikipedia: Unser bester Freund und Helfer, wenn es ums Recherchieren geht! Leider ist Wikipedia keine vertrauenswürdige Quelle. Das liegt daran, dass jeder Nutzer die Wikipedia-Einträge nach Belieben bearbeiten kann. Diese Funktion führt dazu, dass viele Artikel falsche Informationen enthalten.

Wer für einen Projekt oder Artikel recherchiert, sollte auf die Übernahme der Informationen aus Wikipedia verzichten. Wofür man sie aber gut gebrauchen kann ist der Überblick: Durch das Durchlesen eines in der Regel einfach geschriebenen Wikipedia-Artikels bekommt man das Basiswissen über ein bestimmtes Thema. Dieses Basiswissen kann als Grundgerüst für die Recherche dienen. Außerdem schadet es nicht, einen Blick in das Literaturverzeichnis zu werfen, das sich unter einem Wiki-Artikel verbirgt: Dort verstecken sich oft nützliche Sachen!

❌ Aus Wikipedia direkt oder indirekt zitieren

✔ Wikipedia-Artikel lesen, um Basiswissen zu erlangen und eine Grundlage für die Recherche zu schaffen

✔ In die Literaturliste eines Wikipedia-Artikels schauen, um nützliche Quellen für die Recherche zu entdecken

Unter jedem Wikipedia-Artikel finden sich die Einzelnachweise, die auf die Quellen, die für den Artikel benutzt wurden, hinweisen. Zudem gibt es manchmal sogar eine Literaturliste, die für die weitere Recherche genutzt werden kann. Am Beispiel des Artikels über Projektmanagement kann man sehen, wie groß und ausführlich diese Listen sein können.

 

Trust Me, I Am The Doctor!

«Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser»: Um die im Internet gewonnenen Informationen zu nutzen, müssen die Internetquellen zuerst kritisch hinterfragt und bewertet werden. Eine glaubwürdige Internetquelle – wie sieht sie aus? Mithilfe folgender fünf Prüfpunkte kann man einschätzen, ob eine Seite vertrauenswürdig ist und qualitativ ansprechende Informationen liefert.

Der Auftritt

  • Jeder seriöse Internetauftritt hat ein Impressum. Checke immer, ob Impressum mit Ansprechpartner, Postanschrift sowie E-Mail-Adresse vorhanden ist.
  • Ein anderer Punkt ist der Server. Wer betreibt den Server? Ist es eine Forschungseinrichtung, die Regierung, eine Firma oder eine Privatperson? Kann man dem Betreiber des Servers vertrauen?

Der Autor

  • Ist der Autor, der die Inhalte für die Website liefert, bekannt? Wenn ja, ist er ein Experte? Als Referenz, die einen Autoren als Experten aufweist, kann zum Beispiel der akademische Titel dienen. Die Identität des Autors und sein Titel lassen sich im Normalfall durch das einfache Googeln herausfinden.

Die Referenzen

  • Gibt es Verweise auf andere Internetquellen? Wenn ja, sind sie richtig und vollständig? Falls die anderen Webseiten verlinkt werden, müssen sie vertrauenswürdig sein. Die Links müssen natürlich anklickbar sein und funktionieren, sonst entsteht ein Verdacht der Täuschung.
  • Achtung: Zu viel Werbung sagt nichts über die Qualität der Inhalte aus. Selbst viele im Prinzip seriöse Webseiten werden mittlerweile leider von Werbung überflutet.

Der Inhalt

  • Werden die Texte und Bilder durch seriöse Quellenangaben belegt?
  • Eine gute Quelle muss klar strukturierte und gut ausformulierte Texte sowie Bilder von hoher Qualität liefern. Falls die Bilder verpixelt und die Texte voller Syntax- und Rechtschreibfehler sind, handelt es sich um keine vertrauenswürdige Quelle.

Die Aktualität

  • Eine gute Internetquelle enthält keine veralteten Statistiken und Informationen. Ausnahme: Es handelt sich um Inhalte, die gezielt auf den alten Daten aufbauen, zum Beispiel Fallstudien.

Bonus: Fünf Datenbanken und Online-Portale für deine Recherche

Die folgenden fünf Websites kannst du beim Recherchieren nutzen, um an qualitativ hochwertige Informationen zu kommen. Also los geht die Recherche! Und erinnere dich immer wieder an die Worte des weisen Konfuzius: «Fuck Wikipedia, all my homies use Datenbanken!»

❌ Dubiöse Websites in der Hoffnung auf gute Informationen durchforsten

✔ Datenbanken nutzen und recherchieren wie ein Pro

  • Google Scholar: Die Plattform, die von Google betrieben wird, ist auch unter der Bezeichnung «Google für WissenschaftlerInnen» bekannt. Wenn du wissenschaftliche Daten aus Fachbüchern brauchst, ist der Google Scholar die perfekte Wahl!
  • JSTOR: Eine Datenbank, die Artikel aus mehr als 2000 Zeitschriften in verschiedenen Sprachen enthält. Der Vorteil dieser Datenbank besteht darin, dass man hier Artikel aus alten Zeitschriftenausgaben findet. Diese können dir für die Erstellung einer Statistik oder einer Analyse eine große Hilfe sein.
  • EZB: Eine weitere Datenbank für Zeitungen ist die Elektronische Zeitschriftenbibliothek oder einfach EZB. Sie bietet einen der umfangreichsten Zugriffe auf beinahe alle europaweit verfügbaren Zeitungen und Zeitschriften. Diese Datenbank kommt aus Ravensburg, also use it and support your locals!
  • Springer-Link: Eine Datenbank des Springer Verlags für E-Books und digitalisierte Artikel. In der mehr als gut gefüllten Datenbank findest du Informationen über ein breites Spektrum an Themen, von Business und Management zu Philosophie des Mittelalters. Springer-Link hat eine extra Auflage für Firmenkunden.
  • Statista: Auf dem Online-Portal Statista finden sich Tausende Statistiken zu verschiedenen Themen. Diese kannst du für Projektplanungen oder Risikoanalysen nutzen.

Wie viel Zeit hast du?

Zeit ist Geld, aber du hast beides nicht? Schlecht, mein Freund, denn eine gute Recherche braucht Zeit. Aber nicht den Kopf hängen lassen: In diesem Artikel findest nu nützliche Zeitmanagement-Methoden, die dir helfen können, deine Arbeitszeit besser zu organisieren, sodass genug Zeit fürs Recherchieren übrig bleibt!

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